Historie

Die Gründung

Den unermüdlichen Bemühungen unseres Gründers Willi Koch und einiger weniger „Getreuen“ ist es zu verdanken, dass 1952 eine Sektion Tennis bei der BSG Motor Böhlitz-Ehrenberg gegründet werden konnte. Eine Gründungsurkunde ist nicht vorhanden. Ein Auszug aus dem Versammlungsprotokoll der ersten Versammlung vom 15.05.1952 ist der Gründungsbeleg. Auf zwei wiederhergerichteten Tennisplätzen wurden am 07.07.1952 angespielt. Mit diesen genannten Terminen begann die Uhr unseres Vereins offiziell zu ticken.

Die Vorgeschichte

Die Wurzeln unseres Tennisvereins liegen in einer Sektion Tischtennis der damaligen BSG Motor Böhlitz-Ehrenberg. Diese Sektion wurde 1949 ins Leben gerufen. Einige am Tennis interessierte Sportfreunde, denen weder eine Anlage noch Schläger und Bälle zur Verfügung standen, fanden zunächst hier ein sportliches Betätigungsfeld. Zum damaligen Zeitpunkt haftete dem „Weißen Sport“ außerdem noch der Ruf des „Sports der Oberschicht“ an und fand zunächst wenig Gegenliebe bei den Sportfunktionären.

Also hieß es erst einmal die gummibelegte Sperrholzkelle schwingen und den Zelluloidball über den grünen Tisch jagen. Der Gründer Willi Koch war jedoch ruhelos auf der Suche nach einer Möglichkeit, diese wieder gegen Tennisschläger und Filzball einzutauschen. Im Spätsommer 1950 war es soweit. Auf einer Privatanlage in der Richard-Lehmann-Straße (die Anlage existiert heute nicht mehr) war es möglich, gegen eine Gebühr von 2,50 M pro Stunde einen Platz zu mieten. Diese Möglichkeit beim Schopf gepackt, standen sich der alte Routinier Willi Koch und der blutige Anfänger Siegfried Schwabach gegenüber. Dementsprechend verliefen auch die Ballwechsel. Als Schläger standen solche mit Holzrahmen und Design der 20er Jahre aus dem Fundus von Willi zur Verfügung.

Im Jahre 1951 erreichte uns die frohe Kunde, dass im Betriebsferienheim unseres Trägerbetriebes DKF in Leipzig-Holzhausen ein seit ca. 11 Jahren verwaister Tennisplatz vorhanden ist. Am Tennis interessierte Sportfreunde, so der Hinweis der Werkleitung, können sich diesen wieder bespielbar herrichten und gemeinsam mit den dort ihre Ferien verbringenden Werktätigen nutzen.

Die erste Besichtigung ergab folgendes Bild: Ein Platz voller Grasnarben, auf dem friedlich zwei „Volkseigene Schafe“ grasten. Der Einlass war durch entsprechende Löcher in der Umzäunung gewährleistet. Diese Gegebenheit hielt uns nicht davon ab, den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen. Am 21. und 22.04.1951 fanden die ersten Einsätze statt. 26 Sportfreunde und Helfer leisteten Dabei 160 Stunden, denen weitere folgten. Uns Platzbauunkundige leitete dabei der Fachmann Herr Buschmann an, seines Zeichens Baumeister und Angehöriger des Betriebes DKF. Leider erwies sich dessen Fachkompetenz nur für die Vorbereitungsarbeiten und Umfeldgestaltung als sehr nützlich. Für den entscheidenden Teil, die Platzdecke, hatte er sich wohl übernommen. Er ließ 30 t Ziegelmehr anfahren und komplett als künftige Platzdecke auftragen. (Hierzu ist zu bemerken, dass es sich nicht um spezielles Platzdeckenmaterial handelte, sondern lediglich um zermahlene Abfallziegel, anderes Material stand nicht zur Verfügung.)

Trotz 4-wöchigen intensiven Walzens mit der Handwalze gelang es nicht, diese ca. 4 cm dicke Ziegelmehlschicht so zu verfestigen, dass eine ordentlich bespielbare Platzdecke entstand. War der Platz nass, sprang der Ball nur mäßig ab. War er trocken, standen wir im Mehl. Nichtdestotrotz fingen so die ersten unentwegten Sportfreunde unter Anleitung von Willi Koch an, das Tennis-ABC zu erlernen. Ein halbes Jahr lang war an den Wochenenden unser Ziel Holzhausen, was wir nach 45 Minuten Straßenbahnfahrt und 20 Minuten Fußweg erreichten. Dort angekommen war eine halbe Stunde Platzwalzen angesagt, um danach endlich spielen zu können. An die Gründung eines ordnungsgemäßen Vereins war nicht zu denken. Die Platzanlage gehörte zum Betriebsferienheim und wir waren nur als Gäste geduldet.

Der Beginn in Böhlitz-Ehrenberg

Wieder war es Willi Koch, der herausfand, dass in Böhlitz-Ehrenberg, neben dem Waldbad (existiert heute nicht mehr) eine verwaiste Tennisanlage mit zwei Plätzen existierte. Nachdem viele bürokratische Hürden genommen waren, erhielten wir von der Gemeindeverwaltung grünes Licht und die Anlage stand ab Mai 1952 zur Verfügung.

Eine Ortsbesichtigung ergab, dass der Zustand dieser Anlage noch um einiges trostloser war als der Platz in Holzhausen. Die Plätze waren mit einer geschlossenen Grasnarbe überwuchert. Selbst Buschwerk und einzelne kleine Bäume wiegten sich friedlich im Frühjahrswind. Die Tatsache, endlich eine eigene Anlage zu besitzen, gab uns Mut, diese grüne Oase in eine rot-braune mit grüner Umgebung umzugestalten. Wieder stand vor der Nutzung der Spielgeräte der Gebrauch von Hacke, Schaufel, Schubkarre und Durchwurfsieb. Dieses Mal hatten wir zur Instandsetzung einen echten Fachmann als Berater. Es war der Sportfreund Fritz Kind, ein langjähriger Platzmeister beim LSC-Leipzig und Tennisspieler aus den 30er Jahren. Ohne ihn wäre es nicht gelungen, das „Ökofeld“ in zwei relativ gut bespielbare Plätze umzugestalten. So wurde die noch vorhandene Platzdeckenbasis in Handarbeit abgetragen und über ein Handwurfsieb in grobe und feine Schlacke getrennt, danach der Untergrund mit diesem vorhandenen Material neu aufgebaut.

Für die Platzdecke stand uns die gleiche Ziegelmehlqualität wie in Holzhausen zur Verfügung. Dank Fritz Kind wurde daraus aber eine Mischung mit Lehm hergestellt und damit ein gut bespielbares Feld. Neben den schon genannten Arbeitsgeräten war die Handwalze das wichtigste Instrument. Nach Ableistung von 669 Arbeitsstunden war es endlich soweit, um am 07.07.1952 die Plätze anzuspielen.

Das Unterkunftsproblem war noch nicht gelöst. So blieb uns nichts anderes übrig, als die Kleidung in freier Natur zu wechseln. Als Waschgelegenheit stand zunächst ein Kaltwasserhahn zur Verfügung. Aber auch hierzu fand sich eine Lösung. Im Jahre 1953 konnten wir durch Vermittlung der BSG-Leitung ein Holzhäuschen kostenlos erstehen. Es handelte sich dabei um ein sogenanntes „Behelfsheim“, in welchem Umsiedler aus den Ostgebieten vorübergehend ein Zuhause gefunden hatten. Auch hier war wieder Eigeninitiative zum Abbau am alten Standort sowie Transport und Aufbau auf unserer Anlage gefordert. Nun stand uns ein kleiner Aufenthaltsraum und zwei, wenn auch winzige Umkleidekabinen zur Verfügung. Ein zugehöriges, ebenfalls mit umgesetztes, 00-Häuschen konnten wir als „Plumsklo-Umhausung“ aufstellen. Als weiteren Luxus verfügten wir über eine Waschgelegenheit in Form von fünf großen Aluminiumschüsseln, welche auf Gartenstühlen hinter unserem „Behelfsheim“ platziert waren.

Platzerhalt und Erweiterung

Dieses Kapitel beschreibt die wohl am schwierigsten zu lösenden Aufgaben zur ständigen Sicherung der materiell technischen Basis als Voraussetzung für den Spielbetrieb. Dabei geht es nicht nur um die Spielfelder, sondern auch um die Infrastruktur, das Umfeld, das Clubhaus und die Sanitäranlagen.Bis 1990 war Material jeglicher Art manchmal ein unlösbares Problem. Mit der DDR-Überlebensmentalität, aus fast nichts etwas zu zaubern, gingen wir immer ans Werk.

Mit den 90ern war dieses Problem gelöst. Material und Einrichtungsgegenstände gibt es mehr als genug und in bester Qualität. Um nun aus dem Vollen schöpfen zu können, bleibt vieles an der Finanzierung hängen. Seit 1990 konnte einiges realisiert werden, was trotz größter Anstrengungen zuvor liegen bleiben musste. Die Sicherung der materiell technischen Basis unseres Domizils ist zwischen 1969 und 1998 untrennbar mit einem Namen verbunden, mit dem unseres Sportfreundes Günter Putz. Im genannten Zeitraum, als verantwortlicher Technischer Leiter für Anlagenerhalt und -erweiterung in unserem Verein tätig, hat er einen wichtigen Teil unserer Entwicklungsgeschichte mitgeschrieben.

Es gab dabei einen Glücksumstand, Günter war im Trägerbetrieb der BSG Motor Böhlitz-Ehrenberg, dem VEB Wälzlagerwerk DKF, in leitenden Funktionen im Bereich Hauptmechanik und Investvorhaben tätig. Es lang ihm, Material und Ausrüstungsgegenstände vom Betrieb auf die Tennisanlage umzulagern. Ohne jemanden, der an der Quelle saß, hätten wir auf intensive Unterstützung lange warten können.

Wurde im Werk ein Behälter ausgemustert, schon hatten wir auf unserer Anlage einen Wasservorratsbehälter für eine Druckerhöhungsstation zur Platzbewässerung. Die dazu erforderliche Pumpe wurde mitgeliefert, ebenso Wasserrohre und Zubehör. War bei Fundamentarbeiten Fertigbeton übrig, der auf einer Abkippe gelandet wäre, schon war wieder ein Stück Zufahrt in der Platzanlage oder ein Teil für ein Betonspielfeld gesichert. Ob ein neues Eingangstor, die Umzäunung, Hohldielen und Trägermaterial für unseren Neubau u.v.m. – Günter wusste woher und wohin damit.

Wurde der Kulturraum beim DKF mit neuem Gestühl ausgestattet, schon standen die ausgemusterten, noch gut erhaltenen, einschließlich der Tische in unserem bescheidenen Clubhaus. Ein erheblicher Teil von Materialien und ein großer Teil der Einrichtungsgegenstände waren keine Gebrauchtwaren, sondern neu und qualitativ hochwertig. Diese konnten vom Sportfreund Putz aus Überplanbeständen für unseren Tennisverein auch mit Segen der DKF-Werkleitung abgezweigt werden. Eine nicht unwesentliche Erleichterung war, dass Strom- und Wasserkosten von der Gemeinde als Rechtsträger der Anlage beglichen wurden. Der Ideenreichtum und der hohe persönliche Einsatz unseres Sportfreundes Putz zum Erhalt und Ausbau unserer Gesamtanlage war eine wichtige Voraussetzung. Damit war aber die Umsetzung noch nicht gesichert. Es bedurfte einer Vielzahl von Arbeitseinsätzen zur Realisierung.

Die erforderlichen Arbeitsstunden wurden ausnahmslos durch die Mitglieder unseres Tennisvereins geleistet. Vom ersten Tag der Gründung 1952 bis zum Jahre 2001 standen sage und schreibe 36.700 Arbeitsstunden auf dem Konto. Die wichtigsten Neubau- und Rekonstruktionsmaßnahmen seit 1969:

  • Geländesicherung durch Einbau eines gebrauchten Stahltores und Errichtung eines Maschendrahtzaunes einschließlich des Setzens von Beton-Zaunsäulen.
  • Erschließung von ca. 1.000 m² Gelände als Vorbereitung zum Bau eines 3. Platzes. Die Weiterführung des Baues von Aushub, Einbringung Packlager, Planierung und Verdichtung bis zur Herstellung der Platzdecke erstreckte sich über vier Jahre. Die Arbeiten erfolgten weitestgehend manuell.
  • Verlegung von 50m Wasserleitung, einschließlich vorangegangenem Kanalaushub zur Lösung der Hauptwasserversorgung.
  • Bau eines Duschraumes hinter unserer „Grünen Bude“ einschließlich Installation von zwei Duschen und E-Wasserboiler.
  • Bau eines Werkzeug- und Geräteschuppens
  • Aufbau einer Flutlichtanlage am 3. Platz durch Setzen von sechs Lichtmasten, Erdverlegung von 40m Zuleitungskabel und Gesamtinstallation. Diesen Luxus hatten wir zu diesem Zeitpunkt wohl als einzige Tennisanlage in Leipzig.
  • Ständige umfangreiche Rekoarbeiten am Platz 2 unserer Anlage. Dieser Platz war unser Sorgenkind, denn er glich einer Berg- und Talbahn. Der Grund dafür: Unter der Gesamtanlage befand sich eine Jahrzehnte alte Müllkippe. Vorrangig wurden früher dort alte Farbfässer der Fa. Lacke und Farben entsorgt. Diese verrotteten im Laufe der Jahre, fielen in sich zusammen und das darüber liegende Erdreich gab nach. An eine Grundsanierung war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken.
  • Bau einer Druckerhöhungsanlage zur Platzbewässerung: Einbau eines Wasserbehälters, Einbau einer Pumpe einschließlich Wasser- und E-Installation, Einhausung der Anlage.
  • Bau eines massiven Gebäudes mit Clubraum, Küche und zwei Umkleideräumen mit je einer Dusche. Der komplette Roh- und Ausbau erfolgte ausschließlich durch „Bau-Laien“, d.h. durch unsere Mitglieder. Die Bauzeit betrug ca, ein halbes Jahr. Die Erstnutzung erfolgte mit der Jahreswechselfeier 1976/77. Diese Maßnahme war der größte Fortschritt bezüglich sozialer Einrichtungen.

Mit der Wende richteten wir zunächst unser Hauptaugenmerk auf die Erneuerung der Platzdecken. Aufgrund der notwendigen Bewuchsabtragungen beim Start 1952 konnte man von einer ordentlichen Platzdecke einschließlich Packlager kaum noch sprechen. Um diese Rekonstruktion finanzieren zu können, galt es die entsprechenden Mittel über einen längeren Zeitraum anzusparen. Den ersten Luxus, den wir uns leisteteten, war die Einbringung von Plastlinien zur Spielfeldabgrenzung. Damit war ein 40-jähriges Kapitel des Linienziehens per Strichkarte mit Schlämmkreide zu Ende. 1992 wurde die Platzdecke von Platz 3 saniert und die Technik hielt mit Einbau einer Beregnungsanlage für diesen Platz Einzug. Dazu stellte die Gemeinde Böhlitz-Ehrenberg erhebliche finanzielle

Neugründung des TC Böhlitz-Ehrenberg e.V.

Mit der Wiedervereinigung unseres Landes ergab sich nicht nur für Politik und Wirtschaft ein Neuanfang. Auch im sportlichen Bereich griff die Wende. Für uns stand es außer Frage, dass wir uns von der BSG Motor Böhlitz-Ehrenberg lösen, um als Verein eigenständig weiter zu existieren. So fand am 27.10.1990 eine Mitgliederversammlung statt. Von der Sektionsleitung wurde den anwesenden Sportfreunden der Vorschlag zur Gründung eines eigenständigen gemeinnützigen Vereins gemacht und eine entsprechende Satzung vorgetragen. Vorschlag und Satzung wurden zur Abstimmung gebracht und einstimmig angenommen. Nach der Abstimmung verkündete der Versammlungsleiter die offizielle Gründung unseres Tennisvereins TC Böhlitz-Ehrenberg e.V.

So begann für unseren Verein die Uhr per 27.10.1990 das zweite Mal zu ticken. Am 25.04.1991 erfolgte die Anmeldung zur Eintragung in das Vereinsregister beim Kreisgericht Leipzig. Am 06.11.1991 erhielten wir die Bestätigung der Eintragung in das Vereinsregister unter der Nummer 283 vom Amtsgericht Leipzig.